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Im Forschungsprojekt CritSupPort werden Lösungen entwickelt, um die Versorgung mit wichtigen Gütern auch in Krisensituationen zuverlässig sicherzustellen. Im Mittelpunkt stehen Häfen als zentrale Drehscheiben globaler Lieferketten. Im Projekt werden Risiken, Abhängigkeiten und mögliche Störungen im Hafenbetrieb analysiert. Darauf aufbauend entwickeln die Projektpartner neue Methoden und Konzepte, um kritische Güter zu priorisieren, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure im Krisenfall zu verbessern.
© Mediaserver Hamburg | Martin Elsen
Der Hamburger Hafen ist Deutschlands größter Seehafen und ein zentrales Drehkreuz für den globalen Außenhandel. Als drittgrößter Containerhafen Europas verbindet er über die Elbe den Kontinent mit allen Weltmärkten. Moderne Terminals, leistungsfähige Hinterlandanbindungen (Bahn, Straße, Binnenwasserstraße) sowie eine enge Verzahnung von Logistik, Industrie und Dienstleistungen prägen den Standort. Der Warenumschlag wächst beständig, für Container zuletzt auf 8,3 Mio. TEU. Dem begegnen die Akteure des Hamburger Hafens mit zahlreichen Innovations- und Digitalisierungsprojekten.
© duisport | Hans Blossey
Der Duisburger Hafen (duisport) gilt als der größte Binnenhafen der Welt und ist ein zentraler Logistikknoten im europäischen Hinterland. Er verbindet Wasser-, Schienen- und Straßenverkehr und fungiert als wichtige Schnittstelle zwischen Seehäfen und industriellen Regionen. Besonders bedeutend ist seine Rolle im kombinierten Verkehr sowie als Endpunkt zahlreicher Bahnverbindungen. Durch diese Vernetzungsfunktion ist der Duisburger Hafen ein entscheidender Baustein für stabile Lieferketten innerhalb Europas.
© TH Köln
Ziel von AP 1 ist die Entwicklung eines fundierten Verständnisses kritischer Lieferketten sowie der zugrunde liegenden Risiken, Abhängigkeiten und Rahmenbedingungen. Im Fokus stehen ausgewählte Güter aus den Bereichen Ernährung und Gesundheit, deren Versorgungssicherheit im Krisenfall besonders relevant ist. Zentrale Fragestellungen sind, welche Lieferketten als kritisch einzustufen sind, wie sich Abhängigkeiten entlang dieser darstellen und welche.
Zur Beantwortung dieser Fragen werden zunächst relevante Güter und Lieferketten identifiziert und strukturiert beschrieben, unter besonderer Berücksichtigung von Knotenpunkten und intersektoralen Abhängigkeiten. Darauf aufbauend wird eine Datenanalysearchitektur zu a) Bedarfsmengen und -qualitäten eines Gutes in Deutschland und b) Bedarfs- bzw. Nutzergruppen entwickelt. Ergänzend werden politisch-rechtliche Rahmenbedingungen erhoben und mittels Konstellationsanalyse veranschaulicht. Methodisch kommen Literatur- und Datenanalysen, Experteninterviews und Workshops mit Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung und Logistik zum Einsatz.
Im Ergebnis entsteht eine Lieferketten-Dokumentation für ausgewählte kritische Güter, die sektorübergreifend kritische Abhängigkeiten, Bottlenecks, mögliche Kaskadeneffekte und wichtige Rahmenbedingungen identifiziert und visualisiert. Sie dient als Grundlage für die Ausarbeitung von Maßnahmen der Krisenprävention im Arbeitspaket 3.
Ziel von AP 2 ist die Detailanalyse der hafenlogistischen Systeme sowie die Herausarbeitung der zugrunde liegenden Informationsflüsse und Wirkzusammenhänge. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie Logistikprozesse und Akteursinteraktionen organisiert sind, wie Informations- und Kommunikationsstrukturen funktionieren und welche Faktoren die Stabilität bzw. Verwundbarkeit der Systeme maßgeblich beeinflussen können.
Grundlage hierfür bildet die strukturierte Erfassung der relevanten Systemelemente, Prozesse und Akteure in Hafen und Hafenumfeld, welche in konsistente Systemdarstellungen überführt werden. Darauf aufbauend erfolgt eine detaillierte Analyse der Informations- und Kommunikationsstrukturen sowie deren Integration in die Systemmodelle. Anschließend folgt die Untersuchung zentraler Einflussfaktoren, Interdependenzen und potenzieller Störverläufe mithilfe von Sensitivitäts- und Szenarioanalyse. Methodisch baut das Arbeitspaket vor allem auf qualitativen und partizipativen Ansätzen auf, insbesondere Experteninterviews, systematische Auswertungen sowie Workshops mit Akteuren aus Hafenwirtschaft, Logistik und Verwaltung.
Die entwickelten Systemmodelle und Analysen zentraler Wirkzusammenhänge und Szenarien bilden neben der Lieferketten-Analyse in AP 1 eine Grundlage für die Entwicklung von Entscheidungs- und Krisenmanagementansätzen im Arbeitspaket 3.
In AP 3 liegt der Fokus auf dem Risiko- und Krisenmanagement entlang der im Vorfeld festgelegten kritischen Lieferketten. Ziel ist es, Informationsbedarfe und Kommunikationskanäle speziell im Krisenfall systematisch zu ermitteln und Anforderungen an Prozesse der gemeinsamen Entscheidungsfindung zu identifizieren. Dazu gehört auch die Erfassung und Analyse relevanter Akteure, ihrer Rollen, sowie der Schnittstellen in Krisensituationen. Darauf aufbauend werden datenbasierte Entscheidungs- und Priorisierungsverfahren zur Sicherstellung der Versorgung mit kritischen Gütern entwickelt, die flexibel an unterschiedliche Krisensituationen angepasst werden können.
Zentrale Fragestellungen sind, wie relevante Informationen in Krisensituationen zielgerichtet aufbereitet, Entscheidungsprozesse unterstützt und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren effizient gestaltet werden können. Ein weiterer Bestandteil von AP 3 ist der begleitende Praxistest, der anhand von realitätsnahen Planspielen die entwickelten Kommunikations- und Entscheidungsverfahren erprobt und optimiert.
In diesem Arbeitspaket wird die Praxis abermals intensiv eingebunden, um Entscheidungs- und Priorisierungsverfahren sowie Konzepte für eine verbesserte Krisenkommunikation möglichst anwendungsorientiert zu entwickeln und im Sinne der effektiven Unterstützung der Zusammenarbeit im Krisenfall zu testen.
Ziel von AP 4 ist es, die im Projekt entwickelten Ergebnisse zielgerichtet in Praxis, Verwaltung und Fachöffentlichkeit zu transferieren und deren Anwendbarkeit sowie langfristige Nutzung sicherzustellen. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie ein effektiver Austausch zwischen den beteiligten Akteuren gestaltet und wie die Erkenntnisse verständlich und zielgruppengerecht aufbereitet werden können.
Hierzu werden geeignete Transferformate entwickelt und umgesetzt, darunter Workshops, Webinare, Fachveranstaltungen sowie zielgruppenspezifische Publikationen. Angesprochen werden wirtschaftliche Akteure z.B. aus Logistik, Gesundheitswirtschaft, Lebensmittelwirtschaft und Handel sowie behördliche Akteure vor allem für Hafenbetrieb, Krisenmanagement, Gesundheit und Ernährung.
Mit der Plausibilisierung von Fragestellungen und Ansätzen durch einen Projektbeirat wird gewährleistet, dass die Lösungen direkt von Unternehmen, Behörden und Verbänden anwendbar und auch auf weitere Felder übertragbar sind. Ergänzend werden direkte Austauschformate mit Praxisakteuren sowie Vernetzungsaktivitäten mit anderen Forschungsprojekten durchgeführt. Der barrierearmen und effizienten Vermittlung der entwickelten Anwendungen und des Praxisleitfadens dient schließlich ein interaktives Bildungsmodul mit Serious Gaming Ansatz.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms “Forschung für die zivile Sicherheit – Gemeinsam für ein sicheres Leben in einer resilienten Gesellschaft” (SIFO).
